Die
Geschichte Nordstrands ist eine Geschichte des ständigen Kampfes
gegen die Nordsee, den blanken Hans. Was wir heute als weite
Wattfläche mit den nordfriesischen Inseln und den kleinen Halligen
erleben, ist der Rest einer einstmals zusammenhängenden, von vielen
kleinen und größeren Wasserläufen durchzogenen Moorlandschaft.
Die Uthlande - so nennt man diese vor dem festen Land, der
Geest, gelegene Landschaft - veränderten im Laufe ihrer Besiedlung
radikal ihr Gesicht. Um an den fruchtbaren Marschboden zu gelangen
trugen die Siedler die Moorschicht immer mehr ab. zudem konnte aus
dem Torf Salz gewonnen werden - das Salz machte die Uthlande reich
und trug gleichzeitig mit zu ihrem Untergang bei. Hinzu kamen
geologische Veränderungen, das Land senkte sich ab, der
Meeresspiegel stieg. Um die Landflächen zu halten, mussten sie
bedeicht werden - der Kampf mit dem blanken Hans nahm seinen Anfang.
Die Geschichte Nordstrands und der Uthlande ist eine Geschichte
der Sturmfluten - insbesondere zwei von ihnen haben das heutige Bild
des Landes bestimmt. Nachdem schon etliche kleinere Fluten das durch
Torfabbau, Salzgewinnung und geologische Faktoren gesenkte Land
geschädigt und die einfachen Deiche zerstört hatten, traf die
große Marcellusflut am 16. Januar 1362 - sie ging als die erste 'grote
Mandränke' in die Geschichte ein - das Land als verheerende
Katastrophe. Das Land wurde zerrissen, die noch heute sagenhafte
Stadt Rungholt versank in den Fluten. Rungholt existierte aber nicht
nur in den Sagen, die für die Region bedeutende Hafenstadt lag am
Rand der Edomsharde, Reste der Stadt sind insbesondere in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Wattboden aufgetaucht, weitere
Reste der Stadt vermutet man unter der Hallig Südfall, die später
hier auflandete. - Mehr zur Geschichte Rungholts und der Uthlande: Rungholt
- die versunkene Stadt.
Das
Gebiet des Strandes war nach dieser Flut zerstört, übrig blieben
die Flächen der späteren Insel Alt-Nordstrand, die nach und nach
wieder befestigt und besiedelt wurden. Alt-Nordstrand umfasste das
Gebiet der heutigen Inseln Pellworm und Nordstrand sowie der Hallig
Nordstrandischmoor. Nordstrandischmoor sind die Reste einer
Hochmoorfläche, des Wüsten Moores. Zwischen der Pellwormharde und
der Fläche der Insel Nordstrand war schon damals eine breite Bucht,
die Rungholt-Bucht.
Kaum mehr als 300 Jahr nach der ersten Mandränke kam in der
Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1634 eine weitere Sturmflut, die
Zerstörungen brachte, die weit über das Maß der vielen
vorhergehenden Fluten hinausging. Die Insel Alt-Nordstrand wurde
zerrissen, das Wüste Moor war die einzig nicht überflutete Fläche
der Insel, einige Menschen konnten sich hierher retten. Hatte die
wirtschaftliche Not schon vorher viele Menschen gezwungen
aufzugeben, war ein Wiederaufbau und eine Neubedeichung der
zerstörten Köge nun aus eigener Kraft nicht mehr möglich. Die
Uthlande verloren ihre Freiheit, es begann die Epoche der
Partizipanten, insbesondere der Niederländer, die hohe Summen in
die Neubedeichung der Köge investierten und auf Rendite aus Verkauf
oder Verpachtung der gewonnen sehr fruchtbaren Ländereien hofften.
Mit neuen Techniken rationalisierten und revolutionierten sie den
Deichbau. Insbesondere das 17. Jahrhundert war die Zeit der
niederländischen Partizipanten. Deren wirtschaftliches Glück
schwand im 18. Jahrhundert, neue Interessenten traten auf.
Geschichte schrieb an der Küste Graf Jean Henri Desmercieres. Er
bedeichte 1768 den Elisabeth-Sophien-Koog. Im Gegensatz zu
vorherigen Investoren ging er idealistischer ans Werk und vergab das
gewonnene Land zu günstigen Konditionen an die Einheimischen, für
die er zudem weitreichende Rechte sichern konnte. Noch heute ist der
Elisabeth-Sophien-Koog eine eigene Gemeinde auf der Insel
Nordstrand.
Nach der Bedeichung des Elisabeth-Sophien-Kooges wurde es
ruhiger, neue Köge entstanden erst wieder im 19. Jahrhundert. 1866
wurde der Morsum-Koog mit dem Hafen Süderhafen begonnen, 1925 wurde
der Pohnshalligkoog fertiggestellt. Schon seit 1906 bestand ein
kleiner Damm zwischen der Pohnshallig und dem Festland, zwischen
1933 und 35 wurde er zum heutigen Autodamm ausgebaut.
1987
wurde dann - nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen
Küstenschützern und Naturschützern - der Deichschluss am
Betringharder-Koog vollzogen. Im Gegensatz zu früheren Projekten
ging es hier allerdings nicht mehr vornehmlich um die kommerzielle
Landgewinnung, im Vordergrund stand der Küstenschutz durch die
Verkürzung der Deichlinie. Trotzdem wurden große Wattflächen
unwiderbringlich durch die Eindeichung zerstört. Die größte
Fläche des neuen Kooges steht - als versuchter Ausgleich für die
Wattflächen - dem Naturschutz zur Verfügung.
Mehr über die Geschichte der Nordstrander Köge und den
Beltringharder Koog erfahren Sie im Info-Teil von Nordstrand
- ein InternetBilderbuch. |