Sonnenuntergang © Klaus BöllingDie Geschichte Nordstrands ist eine Geschichte des ständigen Kampfes gegen die Nordsee, den blanken Hans. Was wir heute als weite Wattfläche mit den nordfriesischen Inseln und den kleinen Halligen erleben, ist der Rest einer einstmals zusammenhängenden, von vielen kleinen und größeren Wasserläufen durchzogenen Moorlandschaft. Die Uthlande - so nennt man diese  vor dem festen Land, der Geest, gelegene Landschaft - veränderten im Laufe ihrer Besiedlung radikal ihr Gesicht. Um an den fruchtbaren Marschboden zu gelangen trugen die Siedler die Moorschicht immer mehr ab. zudem konnte aus dem Torf Salz gewonnen werden - das Salz machte die Uthlande reich und trug gleichzeitig mit zu ihrem Untergang bei. Hinzu kamen geologische Veränderungen, das Land senkte sich ab, der Meeresspiegel stieg. Um die Landflächen zu halten, mussten sie bedeicht werden - der Kampf mit dem blanken Hans nahm seinen Anfang.

Die Geschichte Nordstrands und der Uthlande ist eine Geschichte der Sturmfluten - insbesondere zwei von ihnen haben das heutige Bild des Landes bestimmt. Nachdem schon etliche kleinere Fluten das durch Torfabbau, Salzgewinnung und geologische Faktoren gesenkte Land geschädigt und die einfachen Deiche zerstört hatten, traf die große Marcellusflut am 16. Januar 1362 - sie ging als die erste 'grote Mandränke' in die Geschichte ein - das Land als verheerende Katastrophe. Das Land wurde zerrissen, die noch heute sagenhafte Stadt Rungholt versank in den Fluten. Rungholt existierte aber nicht nur in den Sagen, die für die Region bedeutende Hafenstadt lag am Rand der Edomsharde, Reste der Stadt sind insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Wattboden aufgetaucht, weitere Reste der Stadt vermutet man unter der Hallig Südfall, die später hier auflandete. - Mehr zur Geschichte Rungholts und der Uthlande: Rungholt - die versunkene Stadt.

Das Gebiet des Strandes war nach dieser Flut zerstört, übrig blieben die Flächen der späteren Insel Alt-Nordstrand, die nach und nach wieder befestigt und besiedelt wurden. Alt-Nordstrand umfasste das Gebiet der heutigen Inseln Pellworm und Nordstrand sowie der Hallig Nordstrandischmoor. Nordstrandischmoor sind die Reste einer Hochmoorfläche, des Wüsten Moores. Zwischen der Pellwormharde und der Fläche der Insel Nordstrand war schon damals eine breite Bucht, die Rungholt-Bucht.

Kaum mehr als 300 Jahr nach der ersten Mandränke kam in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1634 eine weitere Sturmflut, die Zerstörungen brachte, die weit über das Maß der vielen vorhergehenden Fluten hinausging. Die Insel Alt-Nordstrand wurde zerrissen, das Wüste Moor war die einzig nicht überflutete Fläche der Insel, einige Menschen konnten sich hierher retten. Hatte die wirtschaftliche Not schon vorher viele Menschen gezwungen aufzugeben, war ein Wiederaufbau und eine Neubedeichung der zerstörten Köge nun aus eigener Kraft nicht mehr möglich. Die Uthlande verloren ihre Freiheit, es begann die Epoche der Partizipanten, insbesondere der Niederländer, die hohe Summen in die Neubedeichung der Köge investierten und auf Rendite aus Verkauf oder Verpachtung der gewonnen sehr fruchtbaren Ländereien hofften. Mit neuen Techniken rationalisierten und revolutionierten sie den Deichbau. Insbesondere das 17. Jahrhundert war die Zeit der niederländischen Partizipanten. Deren wirtschaftliches Glück schwand im 18. Jahrhundert, neue Interessenten traten auf. Geschichte schrieb an der Küste Graf Jean Henri Desmercieres. Er bedeichte 1768 den Elisabeth-Sophien-Koog. Im Gegensatz zu vorherigen Investoren ging er idealistischer ans Werk und vergab das gewonnene Land zu günstigen Konditionen an die Einheimischen, für die er zudem weitreichende Rechte sichern konnte. Noch heute ist der Elisabeth-Sophien-Koog eine eigene Gemeinde auf der Insel Nordstrand.

Nach der Bedeichung des Elisabeth-Sophien-Kooges wurde es ruhiger, neue Köge entstanden erst wieder im 19. Jahrhundert. 1866 wurde der Morsum-Koog mit dem Hafen Süderhafen begonnen, 1925 wurde der Pohnshalligkoog fertiggestellt. Schon seit 1906 bestand ein kleiner Damm zwischen der Pohnshallig und dem Festland, zwischen 1933 und 35 wurde er zum heutigen Autodamm ausgebaut.

Süderhafen © Klaus Bölling1987 wurde dann - nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen Küstenschützern und Naturschützern - der Deichschluss am Betringharder-Koog vollzogen. Im Gegensatz zu früheren Projekten ging es hier allerdings nicht mehr vornehmlich um die kommerzielle Landgewinnung, im Vordergrund stand der Küstenschutz durch die Verkürzung der Deichlinie. Trotzdem wurden große Wattflächen unwiderbringlich durch die Eindeichung zerstört. Die größte Fläche des neuen Kooges steht - als versuchter Ausgleich für die Wattflächen - dem Naturschutz zur Verfügung.

Mehr über die Geschichte der Nordstrander Köge und den Beltringharder Koog erfahren Sie im Info-Teil von Nordstrand - ein InternetBilderbuch.

Holmer Siel © Huberty