Seebüll © Klaus BöllingNahe der Grenze zu Dänemark liegt - zur Gemeinde Neukirchen gehörend - Seebüll. 1926 erwarb der Maler Emil Nolde dort eine Warft und den benachbarten Bauernhof. Von 1927-1937 errichtete er auf der Warft nach eigenen Entwürfen ein Atelier-, Wohn- und Ausstellungsgebäude - er selbst gab ihm den Namen Seebüll, den Hof nannte er Seebüllhof. Hier lebte Nolde mit seiner Frau Ada, hier arbeitete er. Der große, durch Bäume vor dem Wind geschützte Garten zeugt von seiner in vielen Gemälden wiedergegebenen Freude an Blumen.

Emil Nolde gehört zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Expressionismus, allerdings beinhalten seine Werke auch ein ganz typische - vielleicht friesische - Komponente. Die Farben und das oft seltsame Licht Frieslands, der hohe Himmel und die leuchtenden aber schnell vergehenden Farben des Sonnenuntergangs kehren in vielen der Werke Noldes wieder. Immer wieder gibt es Begegnungen mit nebelhaften Fabelwesen. Insbesondere in Noldes Aquarellen sind die Farben Frieslands gegenwärtig. Während des 3. Reichs wurde Nolde - trotz seiner politisch durchaus fragwürdigen Haltung - mit einem Malverbot belegt. Vielleicht erkannten die damaligen Kulturzensoren die subversive, lebendige Kraft der Farben wesentlich deutlicher als der Maler selbst, der immer auf der Suche nach einer 'deutschen' Kunst war und in seinen Bildern doch viel weiter dachte als in seinen theoretischen Schriften. Während des Malverbots schuf Nolde seine dichten und bedeutenden Aquarelle, die 'ungemalten Bilder'. Sie sollten ihm als Vorlagen für späterer Gemälde dienen, haben aber eine ganz eigene Bildsprache gefunden.

Seit seinem Tod 1956 ist Seebüll Sitz der 'Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde' die dort in jährlichem Wechsel Ausstellungen aus ihrem reichhaltigen Fundus der Werke Noldes präsentiert. Da Haus und Garten weitgehend unverändert blieben, ist Nolde hier fast 'persönlich' präsent, Seebüll ist einer der wichtigsten Ausstellungsorte des deutschen Expressionismus. Von März bis November ist die Ausstellung täglich geöffnet.

Mehr zu Emil Nolde und seinem Werk: Emil Nolde - die Farben Frieslands